Eine Scheibe Brot mit ohne was drauf, also eine Scheibe trockenes Brot, das auf hannoversch eile Brot heißt.
Nebenbei: wenn die Scheibe sehr dick geraten ist, so ist es ein Ranken Brot. Daher dann auch die Redewendung: sich "einen ordentlichen Ranken abschneiden". Wenn einer nichts aufs Brot hat, diess auch nicht "einplocken" will - das heißt - es nicht in gesüßtem Milchkafffee zu sich nehmen will als "Eingeploktes" - so ißt er es eben eile. Ein hannoversches Kind, das am Essen herummäkelt, bekommt vom Vater gesagt, was er denn schon vom Großvater gesagt bekam und dieser vom Urgroßvater: "Sei froh, wenn du immer eile Brot hast".
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Flötjepiepen kann man auch sagen, es läuft auf das selbe hinaus wie Flötjepiepen, nämlich auf: Flöte pfeifen.Und so ist es auch gemeint: Es wird einem etwas gepfiffen.
Man hofft, die Straßenbahn noch zu erreichen, aber sie fährt einem vor der Nase weg - das ist der Augenblick "Flötjepiepen" zu sagen.
Immer wenn man mit etwas rechnet, was dann doch nicht geschieht, heißt "Flötjepiepen".
Heute sagt man in Fällen, wo sich jemand unverkennbar auf dem Holzweg befindet, gern: "Denkste".
Aber Flötjepiepen ist farbiger.
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"Beizu auch noch lesen, das wäre ja noch schöner." So sprechen hannoversche Mütter zu den Kindern, wenn die ein Märchenbuch oder einen Karl May mit an den Eßtisch bringen. Beizu ist so viel wie nebenher, nebenbei. Einer, der eine Nebenbeschäftigung hat, verdien "ganz schön was beizu".
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Im Sinne von "vorhin". "Ersten habe ich ihn noch gesehen", zum Beispiel.
Ist wohl das eingelaufene "erst eben" und so ja auch viel handlicher.
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Der Beere gries sieht man auch nicht gleich an, woher sie kommt und wer nicht aus der Gegend stammt, weiß vermutlich nicht, was dahintersteckt, hinter dieser hannoverscheren Beere gries. Es ist nämlich gar keine Beere, und gries, na schön, das ist auf platt grau und das ist auch gemeint, aber ulkigerweise ist uns das gries aus dem Französischen zugelaufen.
Das heißt grau, gris. Und die Beere kommt auch von daher, von "Beurre" (börr gesprochen), was Butter bedeutet; aber andererseits hat dabei auch die plattdeutsche Beere, gleich Birne, Pate gestanden.
Das sieht doll nach Geheimnis aus, ist aber ganz einfach. Es handelt sich um nichts anderes, als um Burre gris, und das ist jene Birnensorte, die auf deutsch "graue Butterbirne" heißt. Und auf hannoversch Beere gries.
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Klümpen kann eine Milchsuppe oder eine Melschwitze, Kinder können sich klümpen, der Vater kann die Mutter klümpen und umgekehrt. Klümpen kommt beide Male von Klumpen: der Klumpen, soviel wie Kloß.
Wenn sich solche Klumpen in kleiner Form, also Klümpchen, beim Verrühren von Mehl oder Grieß bilden, na, denn klümpt eben die Mehlschwitze oder die Grießsuppe, sie sind hinterher klümpig. Wenn die Kinder, auch die großen zu gegebener Zeit Schneebälle machen, also Klumpen aus Schnee, und sich damit werfen, dann klümpen sie sich. Reder spricht in seiner 1723 geschriebenen hannoverschen Chronik auch von "sich klümpen", wenn sich Buben mit Dreck werfen.
Man sieht also, es ist ein ales Wort, und es ist schön, daß wir so lange damit auskommen.
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"Kommt der so ganz sudjen raus und will fünf Mark von mir pumpen". Man weiß schon, was mit "Sudjen" gemeint ist:
Wer Geld pumpen will, fängt das gemächlich, vorsichtig, sachte, heimlich, na eben sudjen, mit langem "u" an. Man trinkt sudjen ein paar Helle und kommt dann sudjen nach Hause.
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Wenn man bezweifelt, daß jemand ganz bei Trost ist, so bringt man dies auf hannoversch mit der Frage zum Ausdruck: "Du bist wohl nen Happen hä?" Was dieser Redewendung dem Wort nach bedeuten soll, weiß der Himmel. Ihr ehrenrühriger Sinn aber steht fest. Das "hä" muß ganz kurz und schnell ausgesprochen, darf nur herausgestoßen werden.
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Spachteln ist essesn. "Da wollen wir aber mal spachteln", sagen die Hannoveraner, die entschlossen sind, sich so recht in ein Essen hineinzuknien. Spachteln bedeutet also vornehmlich viel und gut essen. Spachteln kommt natürlich von Spachtel, der seinerseits zurück geht auf die altrömische spatula = Rührlöffel. Aber das ist einem richtigen Hannoverager egal, wenn er so richtig beim Spachteln ist.
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Das bedeutet Hunger haben. "Es ist nicht zu sagen, was ich für einen Schmacht habe", sagen hungrige Hannoveraner. Ist es besonders ernst, sagen sie der Genauigkeit halber: "Ich habe einen Schmacht im Leibe!" Wenn einer piepsch, also dünn und kraftlos ist, ist er ein Schmachtlappen. Dann spricht man auch von einem Schwachmathikus.
Vielleicht, weil nach volkstümlicher Meinung ein Rechenkünstler es eher im Kopf als in den Muskeln hat.
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Bannig bedeutet soviel wie gewaltig, enorm, kolossal. Man kann also, beispielsweise, von einem bannigen Apfel sprechen, wenn der nur groß, gewaltig, enorm, kolossal genug ist. Aber mit Vorliebe bezeichnet man gegebenenfalls Personen als bannig. "Ein banniger Kerl" oder in Platt "nen bannigen Kerel" sagt man von einem Mann mit der Figur eines Kleiderschranks. Auch spricht man von einem bannigen Bengel. Damit ist dann aber nicht Stämmigkeit eines Ofens gemeint, nein, man wendet dieses durch den Stabreim besonders eindrucksvolle Wort auch an, wenn man beabsichtigt, ironisch zu sein. Manchmal gibt doch einer groß an und tut nicht Wunder wie, nicht?
Dann kippt man den Angeber auf hannoversch aus den Latschen, indem man mit geheuchelter Anerkennung so ganz sudjen sagt: "nen bannigen Bengel!"
Womit auf die ruhige hannoversche Tour die Dinge wieder aufs richtige Maß gebrochen wären.
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„...Immer glücklicher lebten wir uns im
Laufe der Jahre in Hannover ein, das in
glücklichster Weise die Vorteile einer
Großstadt nicht mit den Nachteilen einer
solchen vereinigt. Eine rege, vornehme
Geselligkeit ...herrliche Parkanlagen und
einer der schönsten deutschen Wälder, die
Eilenriede, umgeben die Stadt; an ihnen
konnte man sich in dienstfreien Stunden zu
Fuß und zu Pferde erfreuen....Der kleine
Dienst spielte sich auf dem Waterlooplatz
ab.... Ungern gingen wir hin, als aber nach
12 Jahren die Scheidestunde... schlug, da
war wohl keiner, dem die Trennung nicht
schwer wurde. Ich selbst hatte die schöne
Stadt...so lieb gewonnen, daß ich mich
später...dorthin zurückzog....
Noch jetzt versetze ich mich gern, wenn ich diesen Stadtteil betrete, in Gedanken in die
goldene Jugendzeit zurück..."
„Aus meinem Leben"
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„...Obwohl das Viertel, in dem ich wohnte, in einer Schreckensnacht verbrannte, besuchte ich noch häufig in Träumen meine alte Wohnung: Mittelstraße 7 a parterre....
Ich weiß nicht mehr, ob mir in der Mittelstraße Frühstück gebracht wurde....
An jenem Morgen wurde mir jedenfalls kein Kaffee gebracht.
Vermutlich war das auch bei meinen Vorgängern selten gewesen, zu denen übrigens auch der alte Hindenburg zählte, der nach 1866 als Sekonde-Lieutenant im 3. Garderegiment die beiden Zimmer bewohnt hatte...."
„Annäherungen" ...
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„...Mein Gang des Abends führte mich häufig in eine kleine Weinstube, alles Stammpublikum, die Wirtin kannte ihre Leute, richtete gelegentlich an sie das Wort, eine angenehme Frau. Da saß ich oft, hinter der Maske Bilder und Erinnerungen, Erinnerungen an vergangene Jahre... "
Essay „Weinbaus Wolf in „Der Ptolemäer"
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